Tschechien

Farma Basařovi

Diese Fallstudie ist ein Beispiel für pfluglose Bewirtschaftung und Zwischenfruchtanbau.

No-Till, Zwischenfruchtanbau, Bodengesundheit, Wasserspeicherung, Bodenerosion, hohe Niederschläge, Nährstoffe, Rinderzucht, Fleischverarbeitung, Biogasanlage

Einleitung

Die Farma Basařovi befindet sich in Prosečné in der Region Hradec Králové im Nordosten Böhmens, am Fuße des Riesengebirges (Krkonoše). Es handelt sich um einen Familienbetrieb, der von acht Mitgliedern der Familie Basařovi geführt wird, die sich aktiv um verschiedene landwirtschaftliche Tätigkeiten kümmern. Der Hof ist multifunktional und betreibt seit 2016 erfolgreich Agrotourismus, wobei jährlich rund 2000 Gäste beherbergt werden. Die malerische Landschaft rund um den Hof zieht zahlreiche Besucher an. Trotz des Erfolgs im Tourismus wurde die landwirtschaftliche Tätigkeit nicht vernachlässigt – im Gegenteil: Die zusätzlichen Einnahmen aus dem Tourismus ermöglichen die Umsetzung regenerativer und nachhaltiger Maßnahmen, die andernfalls wirtschaftlich nicht tragbar gewesen wären. Die Entscheidung für regenerative Praktiken basiert jedoch nicht nur auf der finanziellen Lage – Herr Basař ließ sich vom Bodenprofil und den klimatischen Bedingungen des Standorts leiten.

Der Hof

Die Familie Basařovi bewirtschaftet den Hof seit 1993. Frühere Generationen der Familie waren bereits lange in der Landwirtschaft tätig, allerdings wurde 1953 unter dem kommunistischen Regime das private Eigentum verboten, der Familienbesitz enteignet und verstaatlicht. Im Jahr 1993 begann die Familie erneut mit der Landwirtschaft mit lediglich 23 Hektar Land und 16 Kühen. Der Hof wuchs jedoch schnell. 2005 entschied sich die Familie, die gesamte Milchviehherde zu verkaufen und stattdessen Fleischrinder, hauptsächlich der Rasse Aberdeen Angus, anzuschaffen. Im darauffolgenden Jahr 2006 begannen die Planungen für eine Biogasanlage, die zwei Jahre später fertiggestellt und in Betrieb genommen wurde.

Der Standort

Die Farm liegt in Prosečné in der Region Hradec Králové im Nordosten Böhmens, nahe der Grenze zu Polen. Entscheidender ist jedoch die Lage direkt am Fuße des Riesengebirges, einem der beliebtesten Reiseziele Böhmens für Touristen, die in den Bergen und der Natur Erholung suchen. Die Farm nutzt diese Lage vollständig aus, indem sie Unterkünfte für Touristen anbietet, die die Region des Krkonoše-Gebirges erkunden möchten. Durch die unmittelbare Nähe zum Nationalpark Krkonoše – mit dem höchsten Berg der Tschechischen Republik, der Schneekoppe (Sněžka) mit 1603 Metern – kann die Farm mit einem konstanten Touristenstrom rechnen. Gleichzeitig hat die Nähe zum Gebirge jedoch auch tiefgreifende Auswirkungen auf das Wettergeschehen und die Bodenverhältnisse.

Obwohl Prosečné weit im Nordosten nahe der polnischen Grenze liegt, ist die Region gut erreichbar – zum Beispiel nur zwei Stunden von der Hauptstadt Prag (130 km), größtenteils über die Autobahn, oder drei Stunden vom Zentrum Mährens, Brünn (245 km), entfernt. Für Flugreisende empfiehlt sich der VáclavHavel-Flughafen in Prag, von dem aus man über die Autobahn D10 Richtung Hradec Králové anreisen kann

Ziele der landwirtschaftlichen Regeneration

Neben dem touristischen Geschäft liegt der wichtigste Fokus der Farm auf der Rinderzucht und Fleischproduktion. Die Familie verarbeitet das Fleisch selbst. Aufgrund der hohen Qualität der Rasse Aberdeen Angus sowie der sorgfältigen und ehrlichen Fleischverarbeitung stieg die Nachfrage nach dem Fleisch der BasařoviFarm schnell an – sowohl lokal als auch aus weiter entfernten Regionen. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, wurde die Kapazität der Stallungen erheblich erweitert und neue Verkaufsmöglichkeiten erschlossen: Zunächst wurde das Fleisch direkt ab Hof verkauft, später kam ein Online-Shop hinzu und schließlich wurden moderne Verkaufsautomaten angeschafft, über die die Fleischprodukte in einem Selbstbedienungsladen in der nahegelegenen Stadt Vrchlabí angeboten werden.

Dank der Nutzung ihrer Biogasanlage ist die Familie in der Lage, Energie aus Kuhdung zurückzugewinnen. Die Biogasanlage kann mit verschiedensten organischen Materialien betrieben werden, um Biogas zu erzeugen, das wiederum in elektrische Energie umgewandelt wird. Neben Strom produziert die Anlage als Nebenprodukt auch Gärreste, die als Dünger genutzt werden. Dieser Dünger wird anschließend für den hofeigenen Ackerbau eingesetzt. Dies bedeutet, dass der Hof den Produktionskreislauf erheblich schließen und weitgehend autark wirtschaften kann. Das Fleisch wird lokal produziert und deckt einen bedeutenden Teil der lokalen Nachfrage, der Tierdung dient als Energiequelle und der Gärrest wird als Dünger verwendet. Ein Teil der Ernte wird außerdem zur Tierfütterung verwendet.

BestpracticeFokus

Aufgrund der für Vorgebirgsregionen typischen Wetterbedingungen, wie etwa hohe Niederschläge und starke Winde, ist der Boden des Hofs besonders erosionsgefährdet und besitzt von Natur aus eine geringe Wasserspeicherfähigkeit. Heftige Regenfälle führten daher in der Vergangenheit regelmäßig zur Überflutung von Feldern und zur Zerstörung von Ernte, teils sogar zur Beschädigung der Infrastruktur des Betriebs. Um diesen Naturgefahren entgegenzuwirken, entschloss sich Herr Basař zur Anwendung neuer Strategien, die den Boden regenerieren und seine Gesundheit verbessern sollten mit dem Ziel, die Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen. Er stellte fest, dass insbesondere die pfluglose Bewirtschaftung (No-Till Farming) sehr effektiv ist, um die Bodenqualität zu verbessern. Anstatt den Boden wie beim herkömmlichen Pflügen zu bearbeiten, werden die Saaten mittels Direktsaat ausgebracht. Dabei werden acht verschiedene Arten von Zwischenfrüchten verwendet, in der Regel Leguminosen und Hafer.

Finanzielle Aspekte bei der Umsetzungregenerativer Maßnahmen – Herausforderungen

Die positiven Effekte der pfluglosen Bewirtschaftung und des Zwischenfruchtanbaus zeigten sich etwa nach zwei Jahren Praxis mit zunächst geringeren Erträgen. Doch nach dieser Phase stabilisierten sich die Erträge wieder auf das erwartete Niveau. Im September 2024 bot sich eine Gelegenheit, die Wirkung der verbesserten Wasserspeicherfähigkeit des Bodens zu testen: Ungewöhnlich starke Regenfälle, die mehrere Tage andauerten, trafen die Region, gefolgt von Überschwemmungen. Während selbst leichtere Regenfälle in der Vergangenheit ausgereicht hätten, um die Felder zu überfluten, konnten diese dank der zwei Jahre angewandten regenerativen Landwirtschaft die gesamte Wassermenge aufnehme,n zur Überraschung der Familie Basařovi und ihrer Nachbarn.

Vorteile und Nachteile der pfluglosen Bewirtschaftung und des Zwischenfruchtanbaus

Erhöhte Bodengesundheit und Nährstoffgehalt

Verbesserte Wasserspeicherung

Geringere Bodenerosion

Wartezeit bis zur Wirkung sichtbar wird

Möglicherweise vorübergehend geringere Erträge

Erfordernis neuer Techniken oder Maschinen für die Direktsaat

Lerninhalte

Aufgrund der für Vorgebirgsregionen typischen Wetterbedingungen, wie etwa hohe Niederschläge und starke Winde, ist der Boden des Hofs besonders erosionsgefährdet und besitzt von Natur aus eine geringe Wasserspeicherfähigkeit. Heftige Regenfälle führten daher in der Vergangenheit regelmäßig zur Überflutung von Feldern und zur Zerstörung von Ernte, teils sogar zur Beschädigung der Infrastruktur des Betriebs. Um diesen Naturgefahren entgegenzuwirken, entschloss sich Herr Basař zur Anwendung neuer Strategien, die den Boden regenerieren und seine Gesundheit verbessern sollten mit dem Ziel, die Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen. Er stellte fest, dass insbesondere die pfluglose Bewirtschaftung (No-Till Farming) sehr effektiv ist, um die Bodenqualität zu verbessern. Anstatt den Boden wie beim herkömmlichen Pflügen zu bearbeiten, werden die Saaten mittels Direktsaat ausgebracht. Dabei werden acht verschiedene Arten von Zwischenfrüchten verwendet, in der Regel Leguminosen und Hafer.

Kenntnisse über bestehende regenerative Praktiken und deren Eignung für bestimmte Gegebenheiten

Wissen über die Umsetzung von Direktsaat und Zwischenfruchtanbau sowie die Auswahl geeigneter Pflanzen

Um eine Biogasanlage zu errichten, ist eine lange Wartezeit für die behördliche Genehmigung sowie spezifisches Fachwissen erforderlich

Effektiver Einsatz von Zwischenfrüchten

Stärkere Unabhängigkeit von externen Ressourcen, da der Hof viele Betriebsmittel selbst erzeugen kann

Effektive Nutzung zusätzlicher Infrastruktur wie Biogasanlagen; zur Energiegewinnung und zur Verwendung von Nebenprodukten wie Gärresten als Dünger