Veronika und Sören haben sich während ihres Masterstudiums im Bereich Prozess- und Qualitätsmanagement in der Landwirtschaft in Berlin kennengelernt. Nach dem Abschluss entschieden sie sich, gemeinsam den elterlichen Betrieb von Sörens Vater zu übernehmen und diesen auf Ziegenhaltung mit eigener Käserei umzustellen. Ihr Antrieb ist der Wunsch, eine Form der Landwirtschaft mitzugestalten, die den Bedürfnissen von Tieren, Menschen und Umwelt gleichermaßen gerecht wird. Durch die Integration regenerativer Prinzipien möchten sie einen ausgewogenen, nachhaltigen und sozial verantwortlichen Betrieb entwickeln.
Der Hof
Veronika und Sören bewirtschaften einen vielseitigen Betrieb mit einer Milchziegenherde, einer kleinen Gruppe von Rindern alter Nutztierrassen sowie dem Anbau von Feldgemüse und Getreide. Ein zentrales Element ihres Betriebs ist die hofeigene Käserei, in der die Ziegenmilch direkt vor Ort zu hochwertigen Käsespezialitäten verarbeitet und anschließend in der Direktvermarktung verkauft wird. Im Jahr 2024 wurde ein 6,5 Hektar großes Agroforstsystem gepflanzt, das speziell auf die Produktion von Futterlaub für die Ziegen ausgelegt ist. Dieses System stärkt nicht nur die ökologische Vielfalt und Klimaresilienz des Betriebs, sondern leistet auch einen Beitrag zur tiergerechten Fütterung mit lokal erzeugtem, mehrjährigem Futter.
Der Standort
Der Betrieb liegt im niedersächsischen Wendland, einer ländlich geprägten Region mit hoher ökologischer Vielfalt. Die Flächen umfassen unter anderem Niedermoorstandorte mit natürlicherweise hohem Grundwasserspiegel, was sich direkt auf die Bewirtschaftung und die Auswahl der Kulturen auswirkt. Teile der Ackerflächen sind exponiert und windanfällig – ein Aspekt, der die Planung des Agroforstsystems wesentlich beeinflusst hat. Die gezielte Integration von Gehölzstreifen und Windschutzhecken dient nicht nur dem Erosionsschutz, sondern unterstützt auch die ökologische Stabilität und das Wohlbefinden der Tiere auf dem Hof.
Ziele der landwirtschaftlichen Regeneration
Ein zentrales Ziel des Betriebs ist die Förderung der Tiergesundheit und des Tierwohls durch die Integration von Agroforstsystemen. Ziegen profitieren auf natürliche Weise von einer Fütterung mit Laub und Zweigen, die als nährstoffreiche Ergänzung zur Grundfutterration sowohl die Gesundheit als auch die Milchqualität verbessern können. Gleichzeitig trägt das neu angelegte Agroforstsystem zur Schaffung eines stabileren Mikroklimas bei, indem es Schatten und Windschutz bietet. Diese Maßnahmen dienen nicht nur dem Wohlergehen der Tiere, sondern unterstützen auch übergeordnete Ziele wie ökologische Regeneration und eine nachhaltige, betriebseigene Futterproduktion.
Best-Practice
Der Betrieb setzt auf Agroforstsysteme mit gezielt ausgewählten Futterlaubbäumen wie Weide, Esche und Erle. Diese Gehölze übernehmen mehrere Funktionen: Sie dienen als zusätzliche, nährstoffreiche Futterquelle für die Ziegen, spenden natürlichen Schatten und bieten Windschutz auf den Weideflächen. Neben ihren ernährungsphysiologischen Vorteilen haben einige Arten auch medizinische Eigenschaften. So enthält die Weide zum Beispiel Salicylsäure, die entzündungshemmend wirken und damit die Tiergesundheit auf natürliche Weise unterstützen kann. Durch die Verbindung von Tierernährung, Landschaftsschutz und ökologischer Resilienz leistet diese Praxis einen wichtigen Beitrag zu einer ganzheitlichen Landwirtschaft.
Finanzielle Aspekte bei der Umsetzung regenerativer Maßnahmen – Herausforderungen
Die Umsetzung des Agroforstsystems war finanziell gut handhabbar, da ein Großteil der Kosten – inklusive Pflege und Zaunanlage – durch das FuLaWi-Projekt abgedeckt wurde. Dieses Projekt entwickelt Methoden zur Nutzung von Futterlaub aus Agroforstsystemen, um die Nährstoffversorgung zu verbessern und Methanemissionen bei kleinen Wiederkäuern zu reduzieren. Weitere Informationen finden sich unter futterlaub.de.
Trotz der finanziellen Unterstützung war der zeitliche Aufwand erheblich, insbesondere für Planung, Abstimmung mit Behörden und die organisatorische Einbindung in den laufenden Betrieb. Die Hauptherausforderungen lagen weniger in der Finanzierung als in der praktischen Umsetzung und Koordination. Viele der Arbeiten wurden in Eigenleistung übernommen und erforderten ein hohes Maß an Einsatz, Flexibilität und langfristigem Engagement.
Vorteile und Nachteile der pfluglosen Bewirtschaftung und des Zwischenfruchtanbaus
Unterstützt eine artgerechte und tierzentrierte Haltung
Fördert die Biodiversität durch Integration vielfältiger Gehölzarten
Verbessert das Mikroklima (Schatten, Windschutz, Feuchtigkeitsspeicherung)
Hoher Pflegeaufwand, insbesondere in der Etablierungsphase
Bürokratische Hürden bei Planung und Genehmigung
Unsicherheiten hinsichtlich langfristiger Etablierung und Nutzung der Gehölze als Futter
Lerninhalte
Der Betrieb setzt auf Agroforstsysteme mit gezielt ausgewählten Futterlaubbäumen wie Weide, Esche und Erle. Diese Gehölze übernehmen mehrere Funktionen: Sie dienen als zusätzliche, nährstoffreiche Futterquelle für die Ziegen, spenden natürlichen Schatten und bieten Windschutz auf den Weideflächen. Neben ihren ernährungsphysiologischen Vorteilen haben einige Arten auch medizinische Eigenschaften. So enthält die Weide zum Beispiel Salicylsäure, die entzündungshemmend wirken und damit die Tiergesundheit auf natürliche Weise unterstützen kann. Durch die Verbindung von Tierernährung, Landschaftsschutz und ökologischer Resilienz leistet diese Praxis einen wichtigen Beitrag zu einer ganzheitlichen Landwirtschaft.
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