Deutschland

Hof Tolle

“We the future”

Gemüse, Kleinproduktion, Direktvermarktung, Aboboxen, Intensivanbau, Gewächshaus, Bewässerung, Hochwertige Kulturen, Bio

Einleitung

Der Hof wird von Nils, Marius, Markus und Tim geführt – vier Freunden, die den Betrieb von Nils’ Eltern übernommen haben. Diese hatten den Hof über mehrere Jahrzehnte im Nebenerwerb geführt. Das neue Team arbeitet derzeit noch teilweise außerhalb des Hofes, doch ihr Ziel ist es, den Betrieb eines Tages für alle zu einer Vollzeitbeschäftigung zu machen. Ihre Motivation ist es, die Landwirtschaft von morgen mitzugestalten, zu leben und neu zu erfinden – aus der Überzeugung heraus, dass ein nachhaltiges und faires Ernährungssystem möglich ist.

Nils hat einen Masterabschluss in Ökologischer Landwirtschaft und Food Systems, Marius ist Bauingenieur, Markus Dachdecker und Tim Industriemechaniker. Diese Mischung aus praktischer Erfahrung und akademischem Wissen ist besonders wertvoll für die Bewirtschaftung eines so vielfältigen Hofes mit mehreren Produktionsbereichen. Gemeinsam mit ihrer Freude an der Arbeit im Freien und einem kreativen Ansatz zur Entwicklung neuer Hofprodukte bildet sie das Fundament für das Gedeihen von Hof Tolle in einer neuen Generation.

Der Hof

Hof Tolle ist seit mehreren Generationen in Familienbesitz und seit 1996 als Biobetrieb zertifiziert. Auf 60 Hektar, davon 45 ha Acker- und 15 ha Grünland, wird eine vielfältige Landwirtschaft betrieben. Auf dem Ackerland wachsen in weiten Fruchtfolgen u.a. Dinkel, Hafer, Soja und Kichererbsen bei minimaler Bodenbearbeitung.

Die Mutterkuhherde wird extensiv und ohne Kraftfutter gehalten, das Fleisch wird lokal vermarktet. 2024 wurde ein Agroforstsystem mit Nuss- und Beerengehölzen etabliert.

Seit 2021 ergänzt ein Market Garden auf 0,12 ha mit über 40 Gemüsesorten das Angebot. Zudem bietet der Hof Pferdehaltung für Freizeitreiter*innen aus der Region.

Der Standort

Der Hof Tolle liegt in einem kleinen Dorf mit rund 1000 Einwohner:innen in der Nähe von Kassel, einer Stadt mit etwa 200.000 Einwohner*innen. Gelegen im Mittelgebirgsraum auf etwa 300 m über dem Meeresspiegel, herrscht hier ein gemäßigtes Klima mit durchschnittlich 8-9°C Jahrestemperatur und etwa 750 mm Niederschlag pro Jahr. Zwischen 2018 und 2022 kam es jedoch zu mehreren überdurchschnittlich trockenen Jahren. Die Ackerflächen befinden sich in der Leelage eines Mittelgebirgszugs und sind dadurch besonders anfällig für Trockenheit, was die landwirtschaftliche Nutzung zunehmend herausfordert.

Ziele der landwirtschaftlichen Regeneration

Hof Tolle verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz regenerativer Landwirtschaft, bei dem ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit des gesamten Betriebs im Mittelpunkt stehen. Die hohe Vielfalt an Betriebszweigen und Produkten trägt zur lokalen Ernährungssouveränität bei. Grundlage ist der ökologische Landbau, auf dem verschiedene regenerative Praktiken aufbauen wie etwa Minimalbodenbearbeitung im Ackerbau, rotierende Beweidung im Grünland oder der intensive Gemüsebau im Marktgarten zur effizienten Flächennutzung. In Forschungsprojekten wurden umfassende Nachhaltigkeitsanalysen durchgeführt, und durch die laufende Auswertung betrieblicher Stoffflüsse wird gezielt an der Schließung von Nährstoffkreisläufen und der Verbesserung von Ökosystemleistungen gearbeitet.

BestpracticeFokus

Marktgärten sind intensiv bewirtschaftete, kleinflächige Gartenbausysteme, die auf hohen Erträgen und vielfältigen Anbauflächen pro Flächeneinheit ausgerichtet sind. Der Marktgarten auf Hof Tolle umfasst 0,12ha und wird teilweise durch Gewächshäuser geschützt. Eine Bewässerung ist auf der gesamten Fläche möglich, um eine rechtzeitige Entwicklung der Erzeugnisse sicherzustellen und wetterunabhängiger zu werden, da Trockenheit in den letzten Jahren ein zunehmend großes Problem darstellte.

In Marktgärten werden Mischkulturen und biointensive Techniken angewandt, um den Ertrag auf begrenztem Raum zu maximieren. Hauptsächlich werden Handwerkzeuge oder leichte Maschinen verwendet, um die Bodenverdichtung zu verringern und die Präzision zu erhöhen. Die Bodenfruchtbarkeit wird durch Kompostierung, Gründüngung und minimale Bodenbearbeitung erhalten. Marktgärten setzen in der Regel auf kurze Lieferketten, um Frische zu optimieren und CO2-Emissionen zu verringern. Das AboSystem für Gemüsekisten erfordert eine präzise Ernteplanung, Sortenvielfalt sowie ein kundenorientiertes Verpackungs- und Logistiksystem.

Finanzielle Aspekte bei der Umsetzungregenerativer Maßnahmen – Herausforderungen

Die Anfangsinvestition für einen Marktgarten kann bei bereits verfügbarem Land bei nur etwa 1.000 € liegen, und der Marktgarten kann mit der Zeit einfach skaliert werden. Er beansprucht nur eine geringe Fläche (geringe Opportunitätskosten), und die Hauptinvestition besteht in Zeit und Arbeit. Höhere Investitionen sind erforderlich, wenn die Produktion durch Gewächshäuser oder Bewässerung ergänzt wird. Insgesamt ist das Risiko für die Umsetzung eines Marktgartens gering, da das Land bei Bedarf wieder in Ackerbau umgewandelt werden kann und ein aktiver Markt für gebrauchte Werkzeuge und Tunnel existiert.

Das System ist jedoch insgesamt wissens- und arbeitsintensiv, da das Lernen und die Umsetzung viel Zeit in Anspruch nehmen. Je nach System und Umfang können die Arbeitskosten 75-90 % der Gesamtkosten ausmachen. Der Marktgarten ist zudem auf Direktvermarktung angewiesen, da die Preise im Vergleich zur konventionellen Gemüseproduktion höher sind. Wirtschaftlich ist er dennoch rentabel, aufgrund hochwertiger Kulturen, Premiumpreisen für Bio-Qualität und dem Verzicht auf Zwischenhändler. Schließlich ist der Marktgarten ein innovatives System, das besonders interessant ist, um neue Arbeitskräfte in den Betrieb zu integrieren und so die Arbeitsbelastung zu verringern.

Vorteile und Nachteile der pfluglosen Bewirtschaftung und des Zwischenfruchtanbaus

Weitgehend wetterunabhängig

Hoher Ertrag auf kleiner Fläche

Geringe Investitionsanforderungen

Pädagogischer Wert über lokale und saisonale Lebensmittel für die Kund*innen

Hoher manueller Arbeitsaufwand

Risiko von Ernteausfällen

Höchster Ertrag in den Sommermonaten, weniger in den Wintermonaten

Lerninhalte

Marktgärten sind intensiv bewirtschaftete, kleinflächige Gartenbausysteme, die auf hohen Erträgen und vielfältigen Anbauflächen pro Flächeneinheit ausgerichtet sind. Der Marktgarten auf Hof Tolle umfasst 0,12ha und wird teilweise durch Gewächshäuser geschützt. Eine Bewässerung ist auf der gesamten Fläche möglich, um eine rechtzeitige Entwicklung der Erzeugnisse sicherzustellen und wetterunabhängiger zu werden, da Trockenheit in den letzten Jahren ein zunehmend großes Problem darstellte.

In Marktgärten werden Mischkulturen und biointensive Techniken angewandt, um den Ertrag auf begrenztem Raum zu maximieren. Hauptsächlich werden Handwerkzeuge oder leichte Maschinen verwendet, um die Bodenverdichtung zu verringern und die Präzision zu erhöhen. Die Bodenfruchtbarkeit wird durch Kompostierung, Gründüngung und minimale Bodenbearbeitung erhalten. Marktgärten setzen in der Regel auf kurze Lieferketten, um Frische zu optimieren und CO2-Emissionen zu verringern. Das AboSystem für Gemüsekisten erfordert eine präzise Ernteplanung, Sortenvielfalt sowie ein kundenorientiertes Verpackungs- und Logistiksystem.

Quellen / Literaturverzeichnis

Kontaktdaten

Adresse
Hof Tolle Richardsweg 1 34379 Calden-Fürstenwald