Tschechien

Levandulový statek Bezděkov

Diese Fallstudie zeigt ein Beispiel für ökologischen Anbau und Weidemanagement durch Beweidung mit Schafen.

Schlagwörter: Weidemanagement, Gräserbeweidung, Schafbeweidung, Pflanzenanbau, Pflanzendiversität, Bodengesundheit, Bodenerosion, Nährstoffe im Boden

Einleitung

Levandulový statek Bezděkov ist ein familiengeführter Lavendelhof und Agrotourismusbetrieb im Dorf Bezděkov u Úsova in Nordmähren. Der Hof liegt in der malerischen Hügellandschaft der Zábřežská vrchovina, die nicht nur viele Touristen anzieht, sondern auch ideale Bedingungen für die Landwirtschaft bietet – was sich in der reichen Agrargeschichte und den Traditionen der Region widerspiegelt. Auch wenn sich der Hof – wie der Name vermuten lässt – auf Lavendel spezialisiert hat, findet man hier ebenso eine große Vielfalt an angebauten Obst-, Gemüse-, Kräuterarten sowie zahlreiche Tiere.

Der Hof

Der Hof hat 2014 eine grundlegende Transformation durchlaufen, als die ersten Lavendelpflanzen gesetzt wurden. Seitdem wurde der gesamte Betrieb in eine Kombination aus landwirtschaftlichem Unternehmen und Tourismusbetrieb umgewandelt. Der Hof wird von Lukáš und Veronika Drlík geführt. Das Grundkonzept besteht darin, die eigenen Kulturen und Früchte biologisch anzubauen, die Produkte direkt am Hof zu verarbeiten und anschließend im Hofladen an Touristen zu verkaufen – sowohl an Besucher, die gezielt den Hof besichtigen, als auch an Gäste, die in den Unterkünften des Betriebs wohnen und von dort Ausflüge in die Umgebung unternehmen. In der Hauptsaison im Juni und Juli ist die Unterkunft vollständig ausgebucht, während in ruhigeren Zeiten durchschnittlich vier Gäste pro Tag auf dem Hof verweilen.

Der Standort

LLevandulová farma Bezděkov liegt in Bezděkov u Úsova, einem kleinen Dorf in der Region Olomouc in Nordmähren. Die umliegende Landschaft ist durch die Hügel von Zábřežská vrchovina geprägt. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Brünn im Süden (ca. 120 km), Ostrava im Osten (ca. 140 km) und der Regionalsitz Olomouc ist mit nur 45 km Entfernung am nächsten.

Die Region ist bei Besuchern sehr beliebt – nicht nur wegen der schönen Landschaft, sondern auch wegen zahlreicher historischer Sehenswürdigkeiten, wie dem mittelalterlichen Schloss Bouzov oder dem historischen Stadtzentrum von Olomouc.

Ziele der landwirtschaftlichen Regeneration

Der Hof umfasst eine Fläche von 17 Hektar. Er beschäftigt zwei feste Mitarbeitende, in der Hochsaison helfen zusätzlich bis zu zwanzig Saisonarbeiter. Hinzu kommen acht Familienmitglieder, die das ganze Jahr über engagiert für den Erfolg des Betriebs sorgen.

Das Hauptprodukt des Hofes ist der Lavendel, der in großem Umfang biologisch angebaut wird. Ergänzt wird der Lavendelanbau durch eine Vielzahl anderer Heilpflanzen und Kräuter, was zu einer hohen Pflanzenvielfalt führt. Die ersten Lavendelsamen wurden 2014 ausgesät, damals noch 500 kleine Pflanzen in einem kleinen Feld. Im Folgejahr entstand daraus das erste vollständige Lavendelfeld. In den darauffolgenden Jahren wurden viele weitere Felder angelegt – es entstand ein wahres Lavendelreich.

Die Familie Drlík glaubt fest an die Prinzipien des ökologischen Landbaus und nachhaltiger Landwirtschaft. Alle Pflanzen werden ohne Herbizide und Pestizide angebaut. Das hat in der Vergangenheit zu Herausforderungen geführt – insbesondere ein schwer zu kontrollierender Unkrautwuchs in den Feldern. Mehrere Arbeiter wurden nur für das Entfernen von Unkraut beschäftigt. Zudem gab es Probleme mit starker Bodenerosion, begünstigt durch die für die Region typischen höheren Niederschläge. Darüber hinaus liegt das Ackerland an einem Hang, was zu ständiger Erosion führte.

BestpracticeFokus

Um die Bodenerosion zu reduzieren, wurde auf dem Hof eine größere Vielfalt an Pflanzen eingeführt, was dem Boden durch unterschiedliche Wurzelarten mehr Nährstoffe zuführt. Dazu zählen viele Heilpflanzen, Kräuter, Obst- und Gemüsesorten sowie Bäume. Auch diese Pflanzen werden verarbeitet und wie der Lavendel im Hofladen verkauft. Das Problem des Unkrauts wurde auf innovative Weise gelöst: Die Familie schaffte eine Herde von 30 Schafen an, die auf den Feldern weiden und dabei das Unkraut fressen. Diese Lösung ersetzt den Bedarf an mechanischer oder chemischer Unkrautbekämpfung vollständig. Gleichzeitig verbessern die Schafe durch das Lockern des Bodens die Bodenstruktur. Um die Erosion der Felder zu verhindern, wurde der Hang zwischen den Reihen mit Gras bepflanzt, das dem Boden Halt gibt.

Finanzielle Aspekte bei der Umsetzungregenerativer Maßnahmen – Herausforderungen

Laut Herrn Drlík hatte der Hof während seiner Entwicklung mit umfangreicher Bürokratie zu kämpfen. Er entschied sich ohne Vorerfahrung für den Einstieg in den Agrotourismus – und ohne externe Hilfe, d.h. ohne Fördermittel, Spenden oder Subventionen. Eine der derzeitigen Herausforderungen sind angespannte Beziehungen zu benachbarten landwirtschaftlichen Betrieben, die mit dem steigenden Verkehrsaufkommen durch Tourismus unzufrieden sind – insbesondere mit der Anzahl an Autos. Was die landwirtschaftlichen Herausforderungen betrifft, nennt er die Komplexität des ökologischen Anbaus als problematisch – jedoch haben sich die Prozesse mit der Zeit eingespielt und optimiert.

Vorteile und Nachteile der pfluglosen Bewirtschaftung und des Zwischenfruchtanbaus

Geringere Umweltverschmutzung durch Verzicht auf chemische Mittel

Biologisch angebaute Produkte sind meist gesünder und wertvoller

Beweidung kann den Boden verbessern und ist kostengünstiger als manuelles Jäten

Zeit- und kostenintensiverer Anbau ohne Herbizide/Pestizide

Höhere Lernkurve bei der Umstellung auf biologischen Anbau

Höhere Betriebskosten im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft.

Lerninhalte

Um die Bodenerosion zu reduzieren, wurde auf dem Hof eine größere Vielfalt an Pflanzen eingeführt, was dem Boden durch unterschiedliche Wurzelarten mehr Nährstoffe zuführt. Dazu zählen viele Heilpflanzen, Kräuter, Obst- und Gemüsesorten sowie Bäume. Auch diese Pflanzen werden verarbeitet und wie der Lavendel im Hofladen verkauft. Das Problem des Unkrauts wurde auf innovative Weise gelöst: Die Familie schaffte eine Herde von 30 Schafen an, die auf den Feldern weiden und dabei das Unkraut fressen. Diese Lösung ersetzt den Bedarf an mechanischer oder chemischer Unkrautbekämpfung vollständig. Gleichzeitig verbessern die Schafe durch das Lockern des Bodens die Bodenstruktur. Um die Erosion der Felder zu verhindern, wurde der Hang zwischen den Reihen mit Gras bepflanzt, das dem Boden Halt gibt.

Kenntnisse im ökologischen Anbau

Wissen darüber, wie man eine weitgehend monokulturelle Pflanze mit geeigneten Kulturen zur Nährstoffanreicherung ergänzt

Genaues Verständnis des Bodens und der Niederschlagsmengen

Umgang mit landwirtschaftlichen Nutztieren

Fähigkeit zur Verarbeitung aller Erzeugnisse, um wirtschaftlich zu bleiben

Strategische Langzeitplanung, da ökologischer Anbau anfangs weniger rentabel sein kann als konventioneller

Kontaktdaten

Adresse
Levandulový statek Bezděkov - Bezděkov u Úsova 6, 789 73 Úsov, Česká republika
Telefon
+420 604 744 535